Mittwoch, 20. Juli 2016

Bibliophiles - 9

Papierliebhaber

"Wir machen die Sachen, die nimmer vergehen,
Aus Tüchern die Bücher, die immer bestehen,
Wir schikken zu drükken den Drukkern von hier,
Die geben das Leben dem toten Papier, ..."

Auszug eines Verses von Michael Kongehl, Königsberg i. Pr. 1685

"Der Künstler, er sei Dichter, Maler oder Grafiker, wird Stellung zu nehmen haben zu dem Stoff, welcher der Träger seiner Gedanken ist; er wird ihn lieb gewinnen und zu schätzen wissen wie einen Kameraden, an den ihn Schicksal und Neigung binden. So können wir es häufig erleben, wie die geheimnisvolle Liebe zum Material im Werk des Schaffenden melodisch mitschwingt und nachklingt." - schreibt Armin Renker in einem Beitrag zum Philobiblon, 8. Jg. Heft Nr. 1 aus dem Jahre 1935.
Hermann Hesse ist nur ein Beispiel eines solchen Künstlers, der ein besondere Anziehung zum Papier empfand und es wird im nachgesagt, dass er eine reichhaltige Sorten-Sammlung sein Eigen nannte, wenngleich das Urmanuskript des Steppenwolfs auf vielfältigen Papierresten, wie Hotel-Rechnungen oder sonstiger geschäftlicher Korrespondenz seine Niederschrift fand. Aber auch diese Eigenart zeugt von der Achtung des Autors gegenüber dem Papier, das geläufig nur einseitig oder zu schnell der runden Ablage anvertraut wird.


Armin Renker, aus dessen Buch, "Das Buch vom Papier", die obigen Abbildungen stammen, hat 1934 ein wundervolles Buch über das Papier geschaffen, das zu Lesen einem Bücherliebhaber das Herz öffnet und dem Material, aus dem die Gegenstände seiner Verehrung geschaffen sind, wieder Ehrerbietung in Erinnerung bringt. Auch mir macht es gelegentlich Freude, besondere Papiere für meine Korrespondenz zu verwenden, und ich bedauere es sehr, dass ich zum Beispiel meinen Hefte der "Einbogendrucke" nicht habe in ein besseres Kleid geben können, weil die Verlagsauswahl mir dies nicht anbietet. Bibliophiles Gedankengut hätte bibliophilen Geschmack verdient.

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